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Seit Oktober 2004 lebe ich in Südamerika. Hauptsächlich in Santiago de Chile. Mein neues zu Hause für ein Jahr. Dort leiste ich meinen Zivildienst. In einem Kindergarten mitten in einem Armenviertel Santiagos. Seit Jahren interessiere ich mich für fremde Kulturen und seit meinem zwei monatigen Aufenthalt in Temuco (Chile) besonders für Lateinamerika.

Samstag, November 27, 2004

Sintflut

Dass die ersten Regentropfen, die ich in Santiago erlebe gleich eine kleine Sintflut ausloesen, haette wohl niemand erwartet, aber von vorne:
Ein ungewohntes Geraeusch weckt mich mitten in der Nacht. Wie ein Trommelwirbel prasseln Regentropfen auf unser Wellblechdach; sogar das Bellen der Hunde aus der Nachbarschaft wird davon übertönt.
Ich freue mich ueber den Regen. Eine willkommene Abwechslung nach der langen Trockenheit. Morgen kann ich mir das laestige Giessen ersparen.
Am naechsten Tag das gleiche Geraeusch. unablässig prasselt der Regen vom wolkenverhangenen Himmel. Ob die Kindergartenkinder, die mir anvertraut sind eine Schlammschlacht veranstalten werden. Das ist meine größte Sorge. Lisa beruhigt mich: Die Kinder duerfen nicht im Hof spielen, wenn es regnet. Und dann erzaehlt sie vom Regen Anfang September. Das war der Tag ihrer Ankunft in Santiago, als es unmoeglich war die Strasse zu ueberqueren. Die hatte sich in einen Fluss verwandelt hatte.
Ich verdraenge alle Gedanken an die Unwetter im Winter und streife mir meine Regenjacke ueber. Im Kindergarten sind von den 26 Kindern, die normalerweise in meiner Gruppe sind, nur 12 erschienen. Karolin erklaert, dass viele Eltern aus Angst vor Ueberschwemmungen, das Haus nicht verlassen. Auch gut, denn eine ¨Kleingruppe¨ von 12 Kindern verspricht einen deutlich entspannteren Tagesablauf und laesst mich individueller auf die Kinder einzugehen.

Es wird in der Tat ein sehr entspannter Arbeitstag. Abends regnet es noch immer und auf dem Nachhauseweg bilden sich schon die ersten Sturzbaeche am Strassenrand.

Zusammen mit Lisa fahre ich ans andere Ende der Stadt, wo wir von anderen Voluntariern zum Essen eingeladen sind. Der Ruf bayrischer Kaesespaetzle ist nun mal unwiderstehlich. Nach fast zweistuendiger Busfahrt erreichen wir unsere Gastgeber dank Gummistiefeln trockenen Fusses. Die Rueckfahrt nach La Pintana wird schwieriger. Im Zentrum Santiagos ist das totale Verkehrschaos: es geht weder vor noch zurueck. Autos, Micros, Lastwagen und was sonst noch fahrbar ist, stauen sich auf der Strasse. Auch die Metro bietet keinen Ausweg, denn die Stationen sind wegen Ueberschwemmungsgefahr geschlossen. Was nun? Mittlerweile ist der Regen so stark, dass man nur ein paar Schritte sehen kann. Trotzdem finden wir den Collectivo- (ein Sammeltaxi). Auf die Idee sind schon andere gekommen. An die 100 ebenfalls pitschnasse potentielle Fahrgaeste warten auf das gleiche Collectivo wie wir.

Nachdem auch meine Goretex Jacke vor den Regenmassen kapituliert hat entschliessen wir uns, zurueck ins Zentrum zu fahren. Dort sieht es aus wie in einem Katastrophenfilm Hollywoods. Auf den Strassen steht das Wasser einen halben Meter hoch, selbst die Buergersteige sind ueberschwemmt und aus den Gullideckeln sprudeln Fontaenen mit stinkendem Abwasser aus der Kanalisation.

Waehrend wir in einem erhoehten Hauseingang auf den Micro Bus warten und frieren, versuchen wir uns zu erklaeren, warum es in Santiago immer wieder zu solchen Ueberschwemmungen kommt. Zum einen ist die Stadt voellig versiegelt mit Asphalt und Beton. Gruenflaechen, in denen das Wasser versickern koennte, fehlen. Dazu kommt die voellig marode und in manchen Stadtteilen gar nicht vorhandene Kanalisation.
Wie froh sind wir, als nach endlosem Warten endlich unseren Bus kommt, der uns nach einer weiteren dreistuendigen Odysee fast bis vor die Haustuer bringt.

3 Comments:

Anonymous Anonym said...

Lieber Julian im fernen Chile. Ich wünsche dir alles Gute zu deinem 20ten Geburtstag. Jetzt spare ich mir die Sätze mit Zeit vergehen usw. sondern sende dir einen
spätherbstgruß in die südliche hemisphäre .

blatt zappelt am baum

wolke spielt mit schnee und wind

sonnenstrahlblitzen


dann einen schönen Sommer mit eva und bernd.
Grüße Roswitha aus Berlin

30. November 2004 00:24  
Anonymous Anonym said...

Lieber Julian im fernen Chile. Ich wünsche dir alles Gute zu deinem 20ten Geburtstag. Jetzt spare ich mir die Sätze mit Zeit vergehen usw. sondern sende dir einen
spätherbstgruß in die südliche hemisphäre .

blatt zappelt am baum

wolke spielt mit schnee und wind

sonnenstrahlblitzen


dann einen schönen Sommer mit eva und bernd.
Grüße Roswitha aus Berlin

30. November 2004 00:28  
Anonymous Anonym said...

Lieber Julian im fernen Chile. Ich wünsche dir alles Gute zu deinem 20ten Geburtstag. Jetzt spare ich mir die Sätze mit Zeit vergehen usw. sondern sende dir einen
spätherbstgruß in die südliche hemisphäre .

blatt zappelt am baum

wolke spielt mit schnee und wind

sonnenstrahlblitzen


dann einen schönen Sommer mit eva und bernd.
Grüße Roswitha aus Berlin

30. November 2004 00:29  

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