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Seit Oktober 2004 lebe ich in Südamerika. Hauptsächlich in Santiago de Chile. Mein neues zu Hause für ein Jahr. Dort leiste ich meinen Zivildienst. In einem Kindergarten mitten in einem Armenviertel Santiagos. Seit Jahren interessiere ich mich für fremde Kulturen und seit meinem zwei monatigen Aufenthalt in Temuco (Chile) besonders für Lateinamerika.

Samstag, Dezember 18, 2004

Voluntarierseminar an der Punto de Tralka

Freitagabend irgendwo in Santiago de Chile. Ich und Tobi sitzen eingeklemmt und schwitzend in einem viel zu engen Mikrobus, der uns zu unserem Treffpunkt bringen soll. Treffen waere eigentlich genau um 17:00 Uhr gewesen, aber einige chilenische Angewohnheiten haben wir wohl schon assimiliert.

Als wir um kurz vor sechs in der EFPO, der Zentrale der Fundacion Cristo Vive, ankommen, warten die knapp 20 anderen Voluntarier schon ungeduldig. Alle wollen keine Zeit verlieren und moeglichst schnell Santiago in Richtung Meer verlassen.
Kurz darauf sitzen wir in drei Vans, die von Schwester Karoline, Fernado Massad und Cornelia Goetz gesteuert werden. Alle drei sehr interessante Personen, mit einer Einstellung zu Gott und der Welt, die einen begeistern kann, selbst wenn man sonst nicht viel mir Kirche oder Glauben am Hut hat.

Hermana Karoline ist die Gruenderin der Fundacion Cristo Vive und lebt seit mittlerweile 35 Jahren in Chile. Dort hat sie Kraft ihrer Person und ihrem Glauben an Gott fantastisches in den Armenvierteln geschaffen. Angefangen mit einem kleinen Kindergarten, gehoeren heute ein Krankenhaus, Drogenberatungszentren, neun Kindergaerten und viele andere Einrichtung zur Fundacion. Auch kaempfte Hermana Karoline waehrend der Pinochet Diktatur gegen die Folterungen, indem sie versuchte die Oeffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass und wo gefoltert wurde.
Der zweite im Bunde ist Fernando Massand, der Geschaeftsfuehrer und Vizepraesident der Fundacion ist. Fuer mich persoenlich war er ¨der¨ interessanteste Mensch, den ich an diesem Wochenende kennenlernen durfte. Er stammt aus der Oberschicht Santiagos, besitzt eine sehr gute Schulbildung und war, bevor er bei der Fundacion anfing zu arbeiten, Chef aller Esso Tankstellen Santiagos. Er wuerde heute sicherlich zur absoluten Geld Elite Chiles zaehlen, jedoch entschied er sich fuer den Weg, der ihn innerlich weiterbrachte und gluecklich machte.

Cornelia Goetz ist die Voluntarierbeauftragte und kuemmert sich ansonsten um die paedagogische Weiterbildung der Tias in den Kindergaerten. Sie wurde von Deutschland aus nach Chile geschickt um hier die Arbeit der Fundacion zu unterstuetzen.

Nach drei Stunden Autofahrt ueber die privatisierten Autobahnen, die einer spanischen Firma gehoeren, erreichen wir das Doerfchen Punto de Tralka direkt am Meer gelegen. Den Namen verdankt der Ort einer beeindruckenden Felskonstellation die 300m weit ins Meer hinausragt. ¨Punto¨ist Spanisch und bedeutet Spitze, Tralka wurde der Sprache der chilenischen Ureinwohner entnommen und bedeutet in etwa spitzer Stein.

Am Freitag Abend gibt es nicht mehr viel Programm nur noch eine kurze Vorstellung der sechs verschiedenen Voluntarierhaeuser, die ueber ganz Santiago verteilt sind und deren Bewohner. Dafuer geht es am Samstag morgen schon in aller Fruehe ( 10 Uhr) los. Gluecklicherweise hat mich der Kaelteschock beim morgendlichen Bad im einkalten Pazifik ein wenig aufgeweckt. Wir Voluntarier verteilen uns nun auf drei Grueppchen, die von Fernando, Karoline oder Cornelia betreut werden. Dort tauschen wir uns untereinander ueber unsere bisherigen Erfahrungen aus, welche Probleme wir bisher hatten in der Arbeit, aber auch mit dem Leben in Chile und seinen Bewohnern. Ich erfahre, dass die Voluntarier zum grossen Teil sehr aehnliche Probleme beschaeftigen. Zum Beispiel, dass es sehr einfach ist Chilenen kurz und auf kumpelhafter Basis kennen zu lernen, es aber um so schwieriger ist, richtige Freundschaften aufzubauen.
Karoline die meine Kleingruppe leitet ermuntert uns noch Verbesserungsvorschlaege ohne Scheu anzusprechen.

Nach dem Mittagessen haben wir erstmal ein wenig Siesta und Simon und ich klettern bis zur auessersten Spitzte der Punto de Tralka und geniessen zusammen mit den Schwaermen von Pelikanen die frische Seeluft.
Am Nachmittag erzaehlt uns Hermana Karoline vom bevorstehenden Bolivienprojekt und was uns dort erwarten wird.
Am Abend sitzen wir dann alle zusammen um ein Lagerfeuer am Strand. Bemerkenswert finde ich, dass nicht nur die Voluntarier dabei sind sondern auch die fast 70 jaehrige Karoline.
Am naechsten Tag geht es leider auch schon zurueck in das Smokloch Santiago. Jedoch nicht bevor wir das Haus Pablo Nerudas auf der benachbarten Isla Negra besucht haben. Leider passiert gerade hier der einzige negative Zwischenfall des Wochenendes. In einem unserer Vans, die eine Strasse neben den offiziellen (kostenpflichtigen) Parkplaetzten abgestellt waren, wird eine Scheibe eingeschlagen und zwei Rucksaecke gestohlen.