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Seit Oktober 2004 lebe ich in Südamerika. Hauptsächlich in Santiago de Chile. Mein neues zu Hause für ein Jahr. Dort leiste ich meinen Zivildienst. In einem Kindergarten mitten in einem Armenviertel Santiagos. Seit Jahren interessiere ich mich für fremde Kulturen und seit meinem zwei monatigen Aufenthalt in Temuco (Chile) besonders für Lateinamerika.

Samstag, Januar 08, 2005

Bolivien

Kaum habe mich in Chile eingelebt, geht es schon wieder in ein anderes Land.
Am 9. Januar werden sich 20 Voluntarier auf eine Odyssee gen Norden begeben. Sechzig Stunden Busfahrt erwarten uns, bis nach Bolivien, einem der ärmsten Länder Südamerikas. Das Bruttoinlandsprodukt entspricht mit knapp 1000 Dollern pro Person nur einem fünftel des Chilenischen. Diese Zahlen und die Berichte der Voluntarier, die schon im letzen Jahr an diesem zwei Monate dauernden Projekt teilgenommen haben, setzen uns in eine gespannte Erwartung. Vielleicht sogar ein bisschen in Angst.
Wir werden in zwei staatlichen Kinderheimen im bolivianischen Hochland, in der Nähe von Cochabamba, im Dörfchen Bellavista, arbeiten. Die Lage der Kinder in den Heimen scheint den Erzählungen nach zu urteilen katastrophal. Personell vollkommen unterversorgt versuchen drei wenig motivierte Betreuerlinnen 80 Straßenkinder zu hüten.
Dabei kommt es besonders im Jungenheim „Alexander Magnus“( Alexander der Große) immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den 6 bis18 Jährigen und sogar zu Vergewaltigungen. Die Lage der Behinderten scheint allem Anschein nach die erschreckendste zu sein. Eines der Kinder soll mehre Jahre lang bei seinen Eltern wie ein Hund an der Kette vor dem Haus gehalten worden sein. Bei vielen anderen sind aus weniger schlimmen Behinderungen durch die Ausgrenzung und die fehlende Integration schwere psychische Leiden geworden.
Besonders diesen Menschen soll unsere Arbeit gelten, denn das Besondere an dieser Aktion ist, dass uns praktisch bei unserer Aufgabe unbegrenzte Freiheiten und damit Möglichkeiten offen stehen. Von Anfang an waren Voluntarier für dieses Projekt verantwortlich. Dies ging über das Spenden sammeln, neu deutsch „Fundraising“ ( siehe Spendenbrief) über das Organisieren von eigenen Projekten, z. B. Theaterstücke, bis zur Suche einer Unterkunft.
Über 10000€ wurden uns bisher von Spendern zur Verfügung gestellt, von denen wir neben Projekten direkt mit den Kindern auch Renovierungsarbeiten finanzieren wollen. Außerdem ist daran gedacht eine Schreinerei aufzubauen um den Jugendlichen die Möglichkeit einer einfachen beruflichen Ausbildung zu geben.

Also viel zu tun, viel zu sehen, viel zu erleben. Erfreulicherweise wurde ich als Berichterstatter von der Gruppe ausgewählt und werde mich nach meiner Rückkehr, die wahrscheinlich Anfang März sein wird, mit einem umfangreicheren Bericht melden.




SPENDENBRIEF


Liebe Freunde, liebe Spender und Förderer, Santiago, den 17.11.04

Wir sind eine Gruppe junger europäischer Freiwilliger, die in Santiago de Chile in verschiedenenen sozialen Einrichtungen der Fundación Cristo Vive teilweise ein soziales Jahr, teilweise auch Zivildienst leisten und mit den Armen dieses Landes arbeiten, um gemeinsam mit ihnen Perspektiven zu schaffen.

Auch in Bolivien ist unsere Stiftung um die Linderung einer noch gravierenderen Armut der ländlichen Bevölkerung bemüht, wo Arbeitslosigkeit und fehlende Infrastruktur die Menschen stark belasten. Am Reichtum des Landes aufgrund seiner natürlichen Ressourcen verdienen nur Wenige, und auch sind die Kriegsjahre zwischen Bolivien und Chile noch nicht vergessen. So wollen wir mit unserer Arbeit gleichsam ein Zeichen der Völkerverständigung und Solidarität setzen. In den vergangenen Jahren konnten unsere Vorgänger, ebenfalls Voluntarier, mit der Unterstützung chilenischer und bolivianischer Freunde in der Region um das Dorf Bellavista im bolivianischen Hochland vieles bewegen und namentlich bei der Renovierung zweier staatlicher Kinderheime den Kindern neue Räume und Möglichkeiten schaffen. Ihre Verwandten und Freunde haben ihnen dabei Hilfestellung in Form von Spenden geleistet.

Wir möchten diese Arbeit fortsetzen und dort anpacken, wo es am nötigsten gebraucht wird. Vor allem sanitäre Anlagen in den Kinderheimen sind zu renovieren, auch pädagogische Betreuung ist bei mangelndem Personal für die stark vernachlässigten Kinder sehr wichtig. Hinzu kommt ein neues Projekt der Fundación, mit dem Räume zur handwerklichen Ausbildung junger Erwachsener aus der Umgebung des Dorfes geschaffen werden sollen, um zukünftig Arbeit und Unabhängigkeit dieser Menschen zu fördern. Dort sollen bald verschiedene Berufe wie Tischlerei und Schreinerei angeboten werden, doch noch fehlen Gelder für die Fertigstellung der Gebäude, für die Anstellung von Lehrern und ebenso für Stühle, Tische und Hobelbänke. Doch auch ganz einfache Dinge wie Regendächer für die Kinderheime, Bastelmaterial für den Kindergarten der Fundación und vieles mehr werden dringend benötigt.

Für unseren Aufenthalt im Januar und Februar 2005 wollen wir Euch alle daher um Hilfe für unser Projekt bitten, das sich einzig aus Spenden finanziert und auf keine staatliche Unterstützung bauen kann. Mit dem Geld erreichen wir direkt die Bevölkerung eines der ärmsten Länder der Welt, alle finanziellen Mittel werden ausschliesslich für die Einrichtungen und Projekte der Fundación Cristo Vive Bolivia (siehe auch die Homepage http://www.bolivienprojekt.de/ ) verwendet. Auch eine Spendenbescheinigung ist natürlich im Gegenzug erhältlich. Sollten noch finanzielle Mittel nach Abschluss unserer Arbeit vorhanden sein, bleiben diese für die Weiterführung der Projekte der FCV Bolivia in kommenden Jahren erhalten. Die Menschen dort freuen sich über jedes Zeichen der Anteilnahme und auch wir wollen uns bei jedem Spender mit Photos, ausführlichen Schilderungen unserer Arbeit und persönlichen Eindrücken bedanken.
Mit jedem Euro mehr können wir unsere Ideen besser umsetzen und auch z.B. ein kleines Theaterstück mit den Kindern einproben, zwei drei Fussbälle besorgen und neue Farbe in die teils sehr heruntergekommenen Räumlichkeiten bringen.

Spenden bitte an:

Cristo Vive Europa e. V.
Stichwort: Bolivienprojekt
Volksbank-Raiffeisenbank Manching
Ktn. 70068 BLZ: 721 628 26

Bitte gebt eure vollständige Adresse an, im Namen aller Voluntarier ein herzliches Dankeschön, JEDE Hilfe ist wertvoll!!!


Das Voluntarierteam 2005